Internationale Expert*innen
In TransferForce arbeiten wir mit einem starken und etablierten internationalen Netzwerk an Institutionen, die Wisseschaft-Praxis Partnerschaften fördern und in ihren jeweiligen Kontexten weiterentwickeln.
NNERPP (Rice University, USA), Dr. Paula Arce-Trigatti
Das NNERPP ist US-weit aktiv und am Kinder Institute for Urban Research der Rice University angesiedelt. Das Netzwerk hat zum Ziel, Research-Practice Partnerships im Bildungsbereich in den USA aufzubauen und zu unterstützen, um die Verbindung zwischen Forschung, Politik und Praxis zu verbessern. Es wurde 2016 gegründet und bringt erfahrene wie neu entstehende RPPs zusammen, um Best Practices und Lessons Learned auszutauschen. Inzwischen ist es deutlich gewachsen: Das NNERPP Yearbook 2023 dokumentiert Wirkungsgeschichten von mehr als 60 Mitgliedspartnerschaften. Zu den Aktivitäten gehören der Austausch von Partnerschaftspraktiken, Forschungssynthesen, vergleichende Forschung und die Förderung partnerschaftsübergreifender Zusammenarbeit. Das NNERPP hat auch den Brokering-Guide herausgegeben, auf den sich TransferForce stützt. Paula Arce-Trigatti ist die erste Direktorin des Netzwerks.
ULF (Schweden), Dr. Sebastian Björnhammer
ULF (Utbildning, Lärande, Forskning) ist eine landesweite Struktur für praxisnahe Forschung in Kooperation zwischen Schule und Hochschule, die im Januar 2025 von einem Pilotprojekt in den Regelbetrieb überging. Kennzeichnend ist, dass die Forschung vom Wissensbedarf der Schulen ausgeht und Lehrkräfte eine aktive, initiierende Rolle haben. Insgesamt sind 27 Hochschulen beteiligt; die Zusammenarbeit mit den Schulträgern wird in lokalen ULF-Verträgen geregelt. Organisiert ist ULF in fünf regionalen Knoten (Nord, Süd, Ost, West und Hauptstadt) mit nationalen und regionalen Steuerungsgruppen. Das neue nationale ULF-Abkommen gilt für 2025 bis 2034. Vorbild war übrigens das ALF-Abkommen für Ärzt*innen im Gesundheitswesen. Für TransferForce ist ULF damit ein gutes Beispiel für eine systemweit institutionalisierte WPP-Struktur.
University of Glasgow (Schottland), Prof. Dr. Christopher Chapman
Christopher Chapman ist Direktor des Robert Owen Centre for Educational Change und forscht seit 2002 zu Netzwerken und Kooperation im Schulsystem. Ein zentrales Projekt war das School Improvement Partnership Programme: Es lief 2013 bis 2015 in acht Partnerschaften mit 14 Kommunen und über 50 Schulen und basierte auf Collaborative Action Research. Die Glasgower Forschenden fungierten dabei ausdrücklich als Broker, die Partnerschaften zwischen Schulen gemeinsam mit Education Scotland und den Kommunen vermittelten. Die Arbeit hatte auch systemische Wirkung: Chapmans Forschung lieferte Evidenz für die Einrichtung der schottischen Regional Improvement Collaboratives im Jahr 2018. Damit passt er sehr gut zum Thema Skalierung und Zusammenspiel mit der Bildungssteuerung.
University of Calgary, Werklund School of Education (Kanada), Prof. Dr. Sharon Friesen & Prof. Dr. Barbara Brown
Die Werklund School hat die Initiative Partner Research Schools aufgebaut, in der Forschende, Vertreter*innen von Schulbehörden und Lehrkräfte gemeinsam Projekte durchführen und Forschungskompetenzen von Lehrkräften stärken. Sharon Friesen war von 1999 bis 2021 Mitgründerin und Präsidentin des Galileo Educational Network; zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören designbasierte Professionalisierung, Schulleitung, Bildungsreform und Research-Practice Partnerships. Besonders relevant: Friesen und Barbara Brown haben 2022 bei Routledge gemeinsam ein Buch zu „Engaging in Educational Research-Practice Partnerships“ veröffentlicht.
Utdanningsdirektoratet / DeKomp (Norwegen)
DeKomp ist eine staatliche Förderordnung für Qualitätsentwicklung in der Schule; die Maßnahmen sollen an lokalen Bedarfen ansetzen, möglichst viele Lehrkräfte erreichen und direkt auf den Unterricht wirken. Die Schulträger führen die Maßnahmen in Partnerschaft mit Universitäten und Hochschulen durch; der Bedarf wird über lokale Analysen und fachlichen Dialog ermittelt, und die Maßnahmen zielen auf kollektive Kompetenzentwicklung der ganzen Schule. Politisch war gewollt, ein gegenseitig verpflichtendes Partnerschaftsverhältnis zwischen Lehrkräftebildung und Schulen zu schaffen. DeKomp ist damit ein Beispiel für eine staatlich gesteuerte, aber dezentral umgesetzte WPP-Logik, also genau das Zusammenspiel von Bottom-up und Systemebene.
Tallinn University (Estland)
Das Programm „Future School“ verfolgt einen Ansatz der ganzheitlichen Schulentwicklung mit drei Grundpfeilern: verteilte Führung kollaborativen Lernens unter Lehrkräften, evidenzbasierte Entscheidungsfindung und Ko-Kreation zur Verbesserung des Lernens. Forschende und Expert*innen der Universität begleiten ausgewählte Schulen zehn Monate im Jahr bei der Entwicklung neuer Lehr- und Lernmethoden und beim Change Management. Eve Eisenschmidt und Kätlin Vanari haben das Programm gemeinsam entwickelt und setzen es seit 2017 um. Der Ansatz wird inzwischen auch international übertragen: Ein Projekt mit dem estnischen Zentrum für internationale Entwicklung nutzt die Prinzipien von Future School, um die Berufsbildungsreform in der ukrainischen Stadt Schytomyr zu unterstützen.